Historie
Die Fußballgeschichte des TuS Eintracht Bielefeld
Es war die Zeit der großen Fußballeuphorie. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gründeten sich unzählige Fußballvereine und –abteilungen in Deutschland. Im Jahr 1900 hatte man den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ins Leben gerufen. Und zehn Jahre später, 1910, fanden sich ebenso im Bielefelder Osten die ersten Kicker zusammen – bei der „Eintracht“. Der Verein hatte bereits ein Jahrzehnt lang in und um die Gemeinde Sieker mit so einigen Turn- und Leichtathletikangeboten vor allem viele junge Menschen angelockt.
Auch andere Clubs setzten ab 1910 dem runden Leder nach: in Hamburg gründete sich etwa der FC St. Pauli. Wieder andere waren bereits dabei sich in die Annalen zu spielen: im gleichen Jahr wurde ein gewisser „Karlsruher FV“ (heute ein Miniverein im Badischen Fußballverband) Deutscher Meister im Endspiel gegen den „FV Holstein Kiel“. Die ersten großen Stadien entstanden. Zum Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande kamen in Kleve rund 10.000 Zuschauer, die entweder 1,50 Reichsmark für einen Stehplatz oder 3,50 für die überdachte Tribüne zahlten.
Training auf Wiesen und Wegen
Von solchen Spielverhältnissen konnten die Eintrachtler nur träumen. Ihr Training fand noch auf Wiesen und Wegen der 7.000-Einwohner-Gemeinde Sieker statt. Der Verein hatte kaum Sportstätten – auch das Fußballfeld „Königsbrügge“ gab es noch nicht. Die Straße war für viele Abteilungen das Trainingsareal. Nur wenige Pferdewagen störten die Athleten mitunter.
Die Pioniere des Eintracht-Fußballs spielten noch in keiner offiziellen Liga. Nach Überlieferungen bolzte man in sogenannten „wilden Clubs“ gegeneinander – vielleicht vergleichbar mit der „Wilden Liga“ der heutigen Zeit. Und die Plätze, auf denen man gegeneinander antrat, hatten abenteuerliche Verhältnisse: so wurde ein Spiel in Dornberg auf einem Berghang ausgetragen, wo sich Rechts- und Linksaußen nicht sehen konnten. Der Schiedsrichter musste schön im Mittelkreis bleiben, um das ganze Spielfeld überblicken zu können.
Mit dem Rad zu den Auswärtsspielen
Mancherorts gab es auch keine Tore. So wusste man nicht, ob diese in Schröttinghausen vorhanden waren und brachte dem Gegner auf einem „Trullerwagen“ kurzerhand die eigenen Tore mit. Um dann feststellen zu müssen: „Die haben ja Tore!“
Überhaupt waren gerade die Auswärtsspiele in und um Bielefeld herum eine beschwerliche Sache. Bei Wind und Wetter machten sich die Eintrachtler mit dem Fahrrad auf den Weg oder auch zu Fuß. Nicht selten ging ein ganzer Tag dabei drauf. Was machte man nicht alles des Fußballs wegen?
Aber die erste Euphorie verlosch jäh mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges, der vor allem Arbeitersportvereine wie die „Eintracht“ hart traf. Fast jeder dritte Arbeitersportler in Bielefeld verlor bis 1918 sein Leben. Dennoch: trotz des Leids und auch der wirtschaftlichen Not nach dem Krieg fanden sich die Eintrachtler wieder zusammen. Die neue Freiheit in der demokratischen Weimarer Republik brachte dem Verein sogar weit mehr Zulauf.
Aus dem Exerzierplatz wird die "Königsbrügge"
Auch die Eintracht-Fußballer setzten wieder dem Ball nach. Und sie gewannen neue Mitspieler. Denn endlich wurde der Verein auch kommunal und staatlich gefördert. So stellte die Stadt Bielefeld einen ehemaligen Exerzierplatz zur Verfügung. Das verwahrloste Areal, noch mit wenig Häusern drum herum, wurde Anfang der 20er Jahre dann von den Eintracht-Mitgliedern selbst mit Schaufel und Hacke hergerichtet. Handballer, Fußballer, Turner und Leichtathleten schufteten monatelang bis die imposante kleine Sportarena „Königsbrügge“ mit Rasenfeld und Laufbahn entstand.
Etwa zur gleichen Zeit begann auch der geregelte Spielbetrieb der Turn- und Sportvereinigung TuS Eintracht. Und allmählich machten sich die Kicker aus Sieker in Bielefeld einen Namen. Anfang der 30er Jahre holten sie dann erste Meistertitel in den unteren Kreisklassen und stiegen in den Jahren darauf bis in die Bezirksklasse auf. Doch nicht nur die Herren, sondern auch Jugend- und Schülermannschaften bekamen reichlich Zulauf. Man kam gern zur Königsbrügge.
Der Aufstieg im Fußball wurde jedoch bald wieder beendet. Der 1939 ausbrechende Zweite Weltkrieg setzte den Fußballern arg zu. Viele mussten an die Front, starben unter schrecklichen Umständen in einem sinnlosen Krieg für die Menschen verachtende Nazi-Diktatur. Die Seniorenabteilung wurde aufgelöst, nur Jugend- und Schülermannschaften spielten weiter. 1942 bildete sich aus der Jugend heraus kurzfristig ein neues Herrenteam. Aber auch diese jungen Männer wurden bald eingezogen, und so einige starben.
Neues Fußball-Leben nach Jahren von Verfolgung und
Mit denen, die überlebt hatten, begann nach dem Krieg das neue Fußballleben auf der Königsbrügge. Die 1. Herrenmannschaft der TuS Eintracht wurde 1945 in die Bezirksklasse eingestuft, stieg aber sofort wieder ab. Dennoch: ein Jahr später wurde die Truppe mit nur zwei Verlustpunkten Kreismeister. Bei den drei Entscheidungsspielen gegen den SV Brackwede kamen jeweils rund 8.000 Zuschauer.
Nach all den Jahren unsäglichen Leids durch Nazi-Diktatur, Verfolgung und nie gekannte kriegerische Gemetzel war der Fußball für viele in den Jahren darauf ein kleines, aber wichtiges Stück Freiheit und Freizeit. Der Ballsport lenkte ab vom alltäglichen wirtschaftlichen Überlebenskampf der Nachkriegszeit. Tausende pilgerten an den Wochenenden auf die Plätze und fieberten mit ihren Teams. Am Rande des TuS-Eintracht-Feldes standen die Menschen in Zweier- oder Dreierreihen.
Eintracht-Fußballer werden lokale Sporthelden
Und die Eintracht-Fußballer enttäuschten sie nicht. In der Serie 1948/49 wurden sie in der Bezirksliga Zweiter hinter SVA Gütersloh, und 1951 stieg die Mannschaft in die Landsliga auf – die damals höchste Amateurliga. Ihre Spiele waren Straßenfeger rund um die „Brügge“. Und die Spieler machten sich als lokale Sporthelden einen Namen.
Bis in die 60er Jahre spielte die TuS Eintracht – durch Ab- und Aufstiege bedingt – mal in der Bezirks- und dann wieder in der Landesliga. Die Teams gehörten zu den führenden Mannschaften im Bielefelder Fußball. Auch die Jugend setzte Zeichen mit Kreismeisterschaften und Kreispokalsiegen. Erst 1964 folgte dann eine lange Negativserie – bis in die 2. Kreisklasse ging es runter. Zwischen dieser und der 1. Kreisklasse pendelten die Fußballer dann lange hin und her.
Anfang der 80er Jahre folgten wieder einige „Highlights“. Zwei Mal stieg man in die Bezirksliga auf – aber ebenso wieder ab. Auch in den 90er Jahren hielt sich die TuS Eintracht noch mal für kurze Zeit in der Bezirkliga auf. Doch lange war das nicht möglich, was auch an fehlenden finanziellen Mitteln lag. Denn in den Amateurklassen fließt seit zwei Jahrzehnten so einiges an Spielerhonoraren, die die TuS Eintracht so nicht mehr zahlen konnte und wollte.
"Corporate identity" - Ein starker Zusammenhalt
Dennoch hat das dem Fußballleben auf der Königsbrügge nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Nach einigen Jahren der Flaute spielen hier jetzt drei Herrenmannschaften – zwar in den unteren Klassen, aber doch allmählich sehr erfolgreich. Daneben hetzen noch zwei Altherrenmannschaften dem Leder hinterher.
Vor allem seit der Jahrtausendwende wurde der Fußballabteilung wieder mehr Leben eingehaucht. Neudeutsch würde man sagen, die Abteilung hat „corporate identity“. Und das stimmt: die Eintracht-Fußballer leben vom starken Zusammenhalt. Und natürlich von einer intensiven Jugendarbeit, die starken Auftrieb bekommen hat. Aus sechs Jugendmannschaften Anfang der 90er Jahre sind bis heute sage und schreibe 29 junge Teams geworden.
Man muss es noch einmal wiederholen: 29 Jugendmannschaften treffen sich auf der Königsbrügge (25 Jungen- und 4 Mädchenteams). Damit hat man in Bielefeld die wohl stärkste Fußballjugendabteilung. Expandiert ist diese vor allem in den vergangenen zehn Jahren. In jeder Alterklasse gibt es mittlerweile wenigstens zwei, manchmal auch drei oder mehrere Mannschaften.
Eine hervorragende Fußballjugend-Arbeit
Ein wesentlicher Grund dafür ist der kompetente Trainerstab. Viele der Trainer haben selbst lange aktiv Fußball gespielt und zudem einen Trainerschein gemacht. Die meisten nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil. Das kommt den Jugendlichen direkt zugute. Gerade dieses Engagement spricht sich schnell herum. Die Fußballabteilung der TuS Eintracht ist heute Anlaufpunkt für Jungen und Mädchen aus dem ganzen Bielefelder Osten. Manch eine/r kommt sogar aus entfernter gelegenen Stadtteilen zu uns. Alle zusammen sind es über 400 Jugendliche.
Ein weiterer Grund für den Ansturm war in den vergangenen Jahren aber auch der neue Kunstrasen. Die alte „Königsbrügge“ mit ihrem „Glatzenplatz“ (Rasen außen und Schotter in der Mitte) war bei viel Regen oder extremer Trockenheit kaum zu bespielen. Viele Trainings und Spiele fielen aus. Mit einer großen Kraftanstrengung konnte eine neue Anlage gebaut werden. Möglich machten das viele, viele Spenden- und Sponsorengelder, finanzielle Mittel von Stadt und Land sowie ein großzügiger Zuschuss des Hauptvereins.
Entstanden sind ein klasse Kunstrasenplatz und ein kleines Rasenfeld, auf dem Kleinfeldspiele stattfinden können. Beides wurde am 19. Juni 2009 durch den Oberbürgermeister im Beisein von über 1.000 Gästen eingeweiht.
Mädchen-Fußball bekommt Zulauf
Was viele an der heutigen Fußball-Abteilung aber auch schätzen, ist die große Offenheit. Fußball war hier nie eine Sache von einer Schicht oder Klasse. Die Spieler, Trainer und Betreuer kommen aus allen Bevölkerungsgruppen und Kulturen. Und: schon früh spielten auf der Königsbrügge nicht nur Männer und Jungen. Bereits vor zwei Jahrzehnten gab es einige Mädchen- und Damen-Teams.
Seit fünf Jahren gehören die Fußballerinnen zum festen Stamm der Abteilung. Und der Zulauf in diesem Bereich wird immer größer. Jedes Jahr stellt die TuS Eintracht wenigstens ein D-Juniorinnen-, ein C-Juniorinnen- und ein B-Juniorinnen-Team zusammen. Nur wenige andere Vereine in Bielefeld können das aufbieten.
Noch mehr Historisches gibt es auf der...
.... Kunstrasenseite der TuS Eintracht, zum Umbau der Königsbrügge 2008!





